Wir mussten plötzlich erwachsen sein

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Die Terroranschläge vom 11. September 2001 waren eine Zäsur in der Weltgeschichte  – ein Tag der die Welt veränderte. In Deutschland war diese Veränderung wohl auch für junge Muslime sehr einschneidend und sehr konkret.

Ein Feature von Lena Kampf und Mirjam Schmitt

Unmittelbar nach dem 11. September wird das Thema Islam in Deutschland vor allem unter Sicherheitsaspekten diskutiert. Mit den Vorfällen an der Rütli-Schule kommt die Frage auf, ob Muslime sich überhaupt in Deutschland integrieren können. Die Lehrer der Rütli-Schule in Berlin Neukölln, eine Schule mit 80 Prozent muslimischen Schülern, veröffentlichen im März 2006 einen Brandbrief, um auf die Gewalt an ihrer Schule aufmerksam zu machen.

Die Debatten um Islam und Integration beginnen sich immer mehr zu vermischen. Religionszugehörigkeit und kulturelle Praktiken werden zu Ursachen für soziale Probleme gemacht.
Ob im Karikaturenstreit oder nach den Anschlägen von Madrid und London – immer wieder sind es junge Muslime, die ausschließlich mit Gewalt und Terror Schlagzeilen machen. In Zeitungen und Talksendungen werden muslimische Parallelgesellschaften, Kopftücher und Ehrenmorde diskutiert – dabei festigt sich ein einseitiges Islambild in der deutschen Gesellschaft und eine zunehmend islamfeindliche Haltung.

Die große nationale, kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt der rund 4 Millionen in Deutschland lebenden Muslime wird ausgeblendet – genauso wie der ganz normale Alltag der über 1,5 Millionen jungen Muslime.

Gesendet am 9. September 2011.

 hr2 Kultur/Wissenswert

 

Last modified: 18/02/2018